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Die Geschichte des Sudoku

Das heutige Sudoku erschien zuerst 1979 in einem Rätselheft des US-Verlags Dell unter dem Namen "Number Place". Der japanische Verlag Nikoli brachte es 1984 nach Japan und gab ihm den Namen Sudoku. Weltweit bekannt wurde es, nachdem die Londoner Times im November 2004 begann, Sudokus zu drucken.

Einige gefaltete graue Papierbögen liegen mit einem gespitzten Bleistift neben einer Teetasse auf einem Holztisch
Bild: KI-generiert

Sudoku wirkt wie ein altes Rätsel, ist in seiner heutigen Form aber erst knapp fünfzig Jahre alt. Die ersten Rätsel dieser Art erschienen 1979 in einem amerikanischen Rätselheft [2]. Ihren Namen bekamen sie in Japan, und berühmt wurden sie über eine Londoner Zeitung im Herbst 2004 [1, 3]. Die Vorgeschichte reicht allerdings bis ins 18. Jahrhundert zurück.

Vorläufer: lateinische Quadrate und französische Zahlenrätsel

Ein fertig ausgefülltes Sudoku ist mathematisch ein lateinisches Quadrat mit einer Zusatzregel. In einem lateinischen Quadrat steht jedes Zeichen in jeder Zeile und jeder Spalte genau einmal; beim Sudoku darf sich außerdem in keinem der neun Blöcke ein Wert wiederholen [1]. Lateinische Quadrate kannte schon Leonhard Euler vor mehr als 200 Jahren [2]; seine Untersuchung dazu erschien 1782 [13].

Ein altes Holzbrett mit quadratischen Mulden, in denen bunte Glasperlen in einem regelmäßigen Muster liegen
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Zahlenrätsel mit einem 9x9-Gitter tauchten Ende des 19. Jahrhunderts in französischen Zeitungen auf [1]. Die Pariser Tageszeitung Le Siècle druckte am 19. November 1892 ein teilweise ausgefülltes magisches Quadrat mit 3x3-Teilquadraten. Es enthielt zweistellige Zahlen und ließ sich nur mit Rechnen lösen [1, 12]. Näher am heutigen Sudoku war ein Rätsel, das die Zeitung La France am 6. Juli 1895 als "carré magique diabolique" veröffentlichte, als teuflisches magisches Quadrat. Dort enthielten Zeilen, Spalten und gebrochene Diagonalen nur die Zahlen 1 bis 9 [1]. Das Datum 6. Juli 1895 und den Rätselsetzer B. Meyniel nennen auch Boyer und die Times [12, 13]. Die 3x3-Teilquadrate waren nicht eingezeichnet, enthielten aber ebenfalls jeweils die Zahlen 1 bis 9 [1]. Solche Rätsel liefen nach dem englischsprachigen Wikipedia-Artikel etwa zehn Jahre lang wöchentlich in französischen Zeitungen wie L'Écho de Paris und verschwanden um die Zeit des Ersten Weltkriegs [1].

Number Place: das Rätsel aus dem Dell-Heft

Die frühesten bekannten Rätsel nach den heutigen Regeln erschienen 1979 in Dell Pencil Puzzles & Word Games, einem Heft des US-Verlags Dell [2]. Das erste stand nach Ed Pegg in der Mai-Ausgabe 1979 (Heft 16, Seite 6) [14]. Sie hießen dort "Number Place" [2]. Einen Erfinder nannte das Heft nicht. Will Shortz, Rätselredakteur der New York Times, hat ihn indirekt ermittelt: Er suchte in den Autorenlisten mehrerer Dell-Hefte nach dem Namen, der nur in den Ausgaben mit Number-Place-Rätseln auftauchte [2]. So kam er auf Howard Garns, einen Architekten, der 1989 starb [2]. Dell selbst hat keine Unterlagen, die seine Urheberschaft bestätigen [2].

Bei Garns' Herkunft weichen die Quellen voneinander ab. Brian Hayes schreibt im American Scientist, Garns sei Architekt aus Indianapolis gewesen [2]; Ed Pegg schreibt, er sei in Indianapolis gestorben [14]. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel nennt ihn einen 74-jährigen Architekten im Ruhestand und freien Rätselautor aus Connersville in Indiana [1]. Das Alter von 74 Jahren bei der Entstehung des Rätsels nennt auch Pegg [14]. Beide Quellen geben 1989 als Todesjahr an [1, 2]. Garns erlebte also nicht mehr, wie Sudoku weltweit bekannt wurde.

Nikoli: aus Number Place wird Sudoku

Der japanische Rätselverlag Nikoli stellte das Rätsel aus der amerikanischen Zeitschrift 1984 seinen Lesern vor [3]. Nikoli brachte es nach Ed Pegg im April 1984 in der Zeitschrift Monthly Nikolist heraus [14]. Der ursprüngliche japanische Titel lautete "Suuji wa dokushin ni kagiru", Nikoli kürzte ihn zu "Sudoku" [3]. "Su" bedeutet nach Nikoli Zahl, "doku" einzeln [3]. Hayes übersetzt den langen Titel mit "die Zahlen müssen einzeln bleiben" [2]. Als Urheber der Kurzform nennt Pegg den Nikoli-Präsidenten Maki Kaji [14]; das Jahr 1986 steht nur im Wikipedia-Artikel [1].

Nikoli prägte auch die Gestalt der Rätsel. 1986 legte der Verlag fest, dass die Vorgaben symmetrisch angeordnet sein müssen [3]. Andrew Stuart, der selbst Sudokus für Zeitungen erstellt, schreibt, Nikoli verlange außerdem höchstens 32 Vorgaben [9]. "Sudoku" ist in Japan eine eingetragene Marke von Nikoli. Andere japanische Verlage nennen das Rätsel deshalb weiter "Number Place" [3].

Wayne Gould und der Durchbruch in Großbritannien

Den Weg in den Rest der Welt bahnte Wayne Gould, ein Neuseeländer, der als Richter in Hongkong gearbeitet hatte [2]. Nach seiner Schilderung in der Zeitung The Observer sah er im März 1997 in Tokio in einer Buchhandlung ein Sudoku-Heft und entwickelte in den folgenden sechs Jahren ein Programm, das Rätsel erzeugt [11]. Dass es auch ihre Schwierigkeit einstuft, steht im Wikipedia-Artikel [1]. Er überzeugte die Londoner Times, seine Rätsel zu drucken; das erste erschien im November 2004 [2]. Der genaue Starttag wird unterschiedlich angegeben: Wikipedia nennt den 12. November 2004 [1], die Encyclopaedia Britannica den 15. November 2004 [10]. Die Times schrieb den Namen damals "Su Doku" [1]. Gould hatte zuvor ein Rätsel in der Lokalzeitung Conway Daily Sun in New Hampshire veröffentlicht [11]. Nach dem Wikipedia-Artikel geschah das im September 2004, und es war die erste Zeitung außerhalb Japans mit einem Sudoku [1].

Eine Frau um die fünfzig sitzt morgens im Zug und schaut auf ein gefaltetes Blatt Papier
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In Großbritannien zogen andere Blätter schnell nach. Laut einer Pressemitteilung vom Juni 2005 folgten auf die Times unter anderem The Sun, The Guardian und die Daily Mail [4]. Am 1. Juli 2005 lief auf dem britischen Bezahlsender Sky One die erste Folge der Fernsehsendung Sudoku Live [1]. Ebenfalls 2005 ließ Sky ein Sudoku in einen Hang schneiden und setzte 5.000 Pfund Preisgeld aus. Andrew Stuart berichtet, dass dieses Rätsel 1.905 Lösungen hatte [9]. Im ersten Jahr der Sudokus in westlichen Zeitungen bekam er nach eigener Aussage viele Zuschriften von Lesern, die glaubten, ein Rätsel habe zwei Lösungen; in allen Fällen hatten sie eine Vorgabe falsch übertragen [9]. Fehlerhafte Rätsel drucken nach Stuart aber auch heute noch Verlage, die nicht sorgfältig prüfen [9]. Warum eine einzige Lösung zu einem richtigen Sudoku gehört, erklärt die Seite Sudoku-Regeln und häufige Missverständnisse.

Sudoku in Deutschland

In deutschen Zeitungen kam Sudoku etwa ein halbes Jahr nach dem britischen Start an. Nach einer Pressemitteilung vom 13.06.2005, mit der eine PR-Agentur den Rätseldienst von Stefan Heine vorstellte, boten das Handelsblatt und Die Zeit seit Ende Mai 2005 Sudokus an [4]. Heines Presse Service liefert laut derselben Mitteilung seit 1995 Rätsel an Zeitungen [4]. Den Beginn des Booms verortet die Mitteilung in Großbritannien, wo die Londoner Times im Herbst 2004 anfing, täglich ein Sudoku zu drucken [4].

Meisterschaften und Wettbewerbe

Die erste Sudoku-Weltmeisterschaft fand 2006 im italienischen Lucca statt. Laut Veranstalter traten an zwei Tagen 85 Löserinnen und Löser aus 22 Ländern an, auch aus Deutschland [5]. Es gewann Jana Tylová, eine 31-jährige Buchhalterin aus Tschechien, vor Thomas Snyder und Wei-Hwa Huang aus den USA [5]. Den Pokal überreichte Wayne Gould [5]. Ausgerichtet wurde die Meisterschaft vom italienischen Verlag nonzero edizioni zusammen mit der World Puzzle Federation und dem Fremdenverkehrsamt von Lucca [5]. Seit 2006 organisiert die World Puzzle Federation die Weltmeisterschaft jedes Jahr; 2020 und 2021 gab es keine reguläre Weltmeisterschaft [1].

Erwachsene sitzen von hinten gesehen an langen Tischreihen in einem hellen Saal und schreiben mit Bleistift
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Bei Meisterschaften kommen neben dem klassischen 9x9-Rätsel auch Varianten vor; in Lucca gehörten laut Veranstalter neben klassischen Sudokus verschiedene Varianten zu den Finalrunden [5]. Wie sich Killer-Sudoku, X-Sudoku und andere Spielarten vom Original unterscheiden, steht unter Sudoku-Varianten und Killer-Sudoku: Regeln und Lösungswege.

Was die Mathematik über Sudoku herausgefunden hat

Mit der Beliebtheit kamen die Fragen der Mathematiker. Wie viele vollständig ausgefüllte Sudoku-Gitter gibt es? Bertram Felgenhauer von der Technischen Universität Dresden hat sie zusammen mit Frazer Jarvis gezählt: Es sind 6.670.903.752.021.072.936.960, also rund 7 mal 10 hoch 21 [2]. Die Online-Enzyklopädie der Zahlenfolgen OEIS führt dieselbe Zahl; für das kleine 4x4-Sudoku nennt sie 288 Gitter [7]. Viele dieser Gitter gehen durch Umformungen wie Drehen, Spiegeln oder Umbenennen der Ziffern ineinander über. Zählt man solche gleichwertigen Gitter nur einmal, bleiben nach der OEIS 5.472.730.538 [8]. Hayes nannte in seinem Beitrag für die wesentlich verschiedenen Gitter noch 3.546.146.300.288 [2]. Die beiden Zahlen unterscheiden sich; eine Erklärung dafür geben die Quellen nicht. Die OEIS verweist dafür auf eine Rechnung von Ed Russell und Frazer Jarvis aus dem Jahr 2005 [7].

Hayes rechnet die Zahl in Bezug zu den lateinischen Quadraten. Von der Größe 9x9 gibt es nach seinen Angaben rund 6 mal 10 hoch 27, also ist nur etwa jedes millionste davon zugleich ein gültiges Sudoku-Gitter [2]. Schon bei vier Zeichen sind es 576 lateinische Quadrate, aber nur 288 Sudoku-Gitter [2, 7]. Oft liest man außerdem, Sudoku gehöre zur Klasse NP, einer Gruppe besonders schwerer Rechenprobleme. Hayes weist darauf hin, dass diese Einordnung nichts darüber aussagt, wie schwer ein einzelnes Rätsel aus der Zeitung ist [2].

Länger offen blieb die Frage nach der kleinsten Zahl von Vorgaben. 2006 schrieb Hayes, der Mathematiker Gordon Royle habe mehr als 24.000 eindeutig lösbare Rätsel mit 17 Vorgaben gesammelt, aber keines mit weniger gefunden; ein Beweis fehle [2]. Gary McGuire, Bastian Tugemann und Gilles Civario haben diesen Beweis mit einer vollständigen Computersuche geliefert. Sie fanden kein eindeutig lösbares Sudoku mit 16 Vorgaben, die Antwort ist also 17 [6]. Ihre Arbeit erschien am 01.01.2012 als Vorabdruck [6].

Die wichtigsten Daten im Überblick

ZeitEreignis
19.11.1892Le Siècle druckt ein magisches 9x9-Quadrat mit 3x3-Teilquadraten [1]
06.07.1895La France veröffentlicht das "carré magique diabolique" mit den Zahlen 1 bis 9 [1]
1979Number Place erscheint in Dell Pencil Puzzles & Word Games [2]
1984Nikoli stellt das Rätsel in Japan vor [3]
1986Nikoli legt symmetrische Vorgaben als Regel fest [3]
November 2004Die Times druckt ihr erstes "Su Doku" [1, 10]
Ende Mai 2005Handelsblatt und Die Zeit bringen Sudokus [4]
2006Erste Sudoku-Weltmeisterschaft in Lucca [5]
01.01.2012Vorabdruck des Beweises, dass 17 Vorgaben das Minimum sind [6]

Wer die Regeln von Grund auf kennenlernen will, beginnt mit Was ist Sudoku? und probiert dann ein Rätsel auf dem Sudoku-Spielfeld. Wie ein anderes Denkspiel über Jahrhunderte gewachsen ist, zeigt die Geschichte des Schachs.

  1. Sudoku. Wikipedia (englischsprachig). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Studie Unwed Numbers. Brian Hayes, American Scientist, Bd. 94, Nr. 1. Stand Januar/Februar 2006. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Sudoku. Nikoli Co., Ltd.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Sudoku: Stefan Heine bedient die neue Lust am Zahlenrätsel. pressetext (Pressemitteilung). Stand 13.06.2005. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation News: WSC 2006. nonzero edizioni, World Sudoku Championship 2006. Stand 2006. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie There is no 16-Clue Sudoku: Solving the Sudoku Minimum Number of Clues Problem. Gary McGuire, Bastian Tugemann, Gilles Civario, arXiv:1201.0749. Stand 01.01.2012, Version 2 vom 01.09.2013. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation A107739: Number of (completed) sudokus (or Sudokus) of size n^2 X n^2. The On-Line Encyclopedia of Integer Sequences (OEIS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation A109741: Number of inequivalent (completed) n^2 X n^2 sudokus (or Sudokus). The On-Line Encyclopedia of Integer Sequences (OEIS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Sudoku Creation and Grading. Andrew C. Stuart, SudokuWiki.org. Stand Februar 2007, aktualisiert 2012 und 2023. abgerufen am 29.10.2026
  10. Sudoku. Encyclopaedia Britannica. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. So you thought Sudoku came from the Land of the Rising Sun .... David Smith, The Observer. Stand 15.05.2005. abgerufen am 29.10.2026
  12. Les fiendish French beat us to Su Doku. Jack Malvern, The Times. Stand 03.06.2006. abgerufen am 29.10.2026
  13. Sudoku's French ancestors. Christian Boyer, multimagie.com (Pressemitteilung von Pour La Science vom 24.05.2006). Stand 2006. abgerufen am 29.10.2026
  14. Studie Math Games: Sudoku Variations. Ed Pegg Jr., MAA Online (Mathematical Association of America). Stand 06.09.2005, aktualisiert 15.09.2005. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.